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Graphische Industrie

Spezialisierung sichert Fortbestand: der Arbeitskreis Buch&Technik bei Staudigl Druck

Von Michael Lemster

Print „ist wieder wer“. Mit dem Umsatz wächst auch das Selbstbewusstein der Druckbetriebe. Aller Druckbetriebe? Nein, denn die Zahl der Unternehmen nimmt weiter ab. Der Anpassungsdruck bleibt. Und wie fast überall, hat „die undifferenzierte Mitte“ die größten Schwierigkeiten. Wie man durch erfolgreiche Differenzierung nicht nur überlebt sondern im schwierigen Markt des Mediendrucks wächst, zeigte die Donauwörther Staudigl-Druck GmbH & Co. KG den Mitgliedern des in München basierten „Arbeitskreis Buch und Technik“.

 

Auf schweißtreibender Mission: der AB&T in Donauwörth. Foto: Dieter Rauschmayer

Peter Mehrer, Geschäftsführer Staudigl Druck. Foto: alVoloMedia Michael LemsterBuchhersteller scheinen disziplinierte Leute zu sein. Trotz drückender Hitze und unmittelbar bevorstehenden Wochenendes fanden alle angemeldeten Mitglieder des „Arbeitskreis Buch und Technik“ den Weg nach Donauwörth – Staudigl-Standort seit 1979. Es war die siebente Veranstaltung (Exkursionen und Vortragsabende zusammengenommen) des Jahres 2017, die der Arbeitskreis in Gestalt des freien Buchherstellers Arthur Lenner (als „Der Buchmacher“ bekannt) neben seiner Herstellungsarbeit organisiert.

Donauwörth – für Großdruckereien ein heißes Pflaster. Erst 2013 wurde mit Auer Druck ein Traditionsbetrieb dichtgemacht, die Mitarbeiter haben seitdem eine Stunde ins ins schwäbische Bobingen zu pendeln.

Die verbliebenen größeren Unternehmen differenzieren sich aus. Ein Prozess, „der nie zuende geht“, wie Staudigl-Inhaber Peter Mehrer den anwesenden 15 Verlagsherstellern und Produktions-Profis versicherte. Die waren wenig überrascht – in den Verlagen ist es nicht anders. Bei Staudigl läuft der Prozess der – nicht nur digitalen – Transformation seit fast 20 Jahren. Seit Eigentümer Peter Mehrer 1999 in den Betrieb einstieg, verging kein Jahr ohne große Neubeschaffung. Bei den Investitionen erhöhte sich die Schlagzahl auf einen Stand von drei Druckmaschinen im Offset und vier im Digitaldruck sowie eine von außen fast unüberschaubare Vielfalt von Weiterverarbeitungs- und Veredelungsmaschinen, aufgeteilt auf zwei Drucksäle.

Total breit: Kalenderdruck bei Staudigl. Foto: alVolo Media Michael Lemster

Mit dieser technischen Ausstattung werden im wesentlichen drei Kategorien von Produkten hergestellt:

  • Kalender – im Jahr etwa 15 Millionen Stück, sowohl für den Handel als auch für Großabnehmer aus Industrie und Handel. Einige der bekanntesten Kalenderverlage lassen hier produzieren, und Logos bekannter Markenartikel springen von den Produktionsstraßen ins Auge
  • Plakate – etwa jedes fünfte Außenwerbe-Plakat in Deutschland stammt aus Donauwörth. Die ohnehin schon beeindruckenden Formate aus den LPF (Large Format Print)-Straßen können in der Weiterverarbeitung zu fassadenfüllenden Plakaten verbunden werden
  • Werbetechnik – Druck und Weiterverarbeitung von Dekoplatten, Wellpappe und vielen anderen Bedruckstoffen für den Handel und die Innendekoration

Staudigl leistet sich, um stets innovativ zu bleiben, eine eigene Produktentwicklungs-Abteilung sowie einen 15-köpfigen IT-Bereich. Hier entstanden auch die Web-to-Print-Anwendungen wie Picapoint.de für Werbedruck auf Papier, Kunststoff und textilen Materialien. Es lohnt sich: Seit 1999, als Peter Mehrer und seine Frau Brigitte den Betrieb übernahmen, stieg die Zahl der Mitarbeiter von 115 auf 200 und der Umsatz verdreifachte sich. Die Motive einer Facebook-Kampagne unter dem Motto „Damals – heute“ illustrierten im Frühsommer 2017 die Produktivitätszuwächse anhand der einzelnen Prozess-Schritte und der dabei eingesetzten Maschinen.

 

Digitaldruck von Dekomaterial bei Staudigl. Foto: alVolo Media Michael Lemster

Überhaupt Facebook: Staudigl ist dort regelmäßiger aktiv als die meisten Druckereien. Man scheut auch keine „Spielereien“, die sich eher nicht an den typischen Staudigl-Firmenkunden wenden, wie etwa ein Origami-Gewinnspiel. Klug gedacht, günstig gemacht: das Gewinnspiel setzt auf einen Monatskalender auf und ermöglicht jeden Monat einen neuen Facebook-Post.

Natürlich spürt auch Staudigl Druck den Trend zur sinkenden Durchschnittsauflage. Das Unternehmen trägt ihm Rechnung nicht nur durch den Einsatz der Digitaldrucktechnik, sondern auch durch eine Erweiterung der Zielgruppe auf Small-Business-Kunden und Privatpersonen. So lassen sich über 123-plakat.de Großflächen-Plakate bis hinunter zur Auflage eins nicht nur produzieren, sondern auch Plakatwände und Aushangzeiten buchen.

Helmut König, Produktmanager Staudigl Druck. Foto: alVoloMedia Michael LemsterSorgen macht die Knappheit an qualifizierten Fachkräften. Schon im gewerblichen Bereich ist es nicht leicht, gute Leute zu bekommen und zu halten. Im Landkreis Donau-Ries schwankt seit Jahren die Arbeitslosigkeit um zwei Prozent. Aber der Zwang zur Digitalisierung bringt Druckereien wie Staudigl auch im IT-Bereich in eine Konkurrenzsituation mit den finanziell attraktiveren großen lokalen Industriebetrieben und der eine Zugstunde entfernten Landeshauptstadt München.

Das Rezept laut Produktmanager Helmut König, dem Gastgeber des Nachmittages: ausbilden, nach einem offenen, innovationsfreundlichen Betriebsklima streben und auf Loyalität hoffen. Denn, so König: Wer überleben will, muss die Angst vor Veränderungen überwinden, und „Innovationen sind immer auch eine Bedrohung für den Erfolg von gestern.“

Die Pflege des Nachwuchses treibt auch den AB&T um. Er präsentiert sich mit seinen Veranstaltungen offen für Nicht- bzw. Noch-Nicht-Mitglieder aus der herstellenden wie auch der dienstleistenden Zunft rund um das Bücher- und Zeitschriftengenre und will damit jungen Nachwuchskräften die Gelegenheit geben, den Arbeitskreis und sein Angebot kennenzulernen.

 

Porträtfotos: Opens external link in new windowalVoloMedia Michael Lemster

10. August 2017