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Kassian Alexander Goukassian (Falkemedia) über neue Medienprojekte

„Zeitschriften wie Lean-Start-ups starten“

Zeitschriftenverlage haben angesichts der schwierigen Auflagen- und Anzeigen-Entwicklung einen schweren Stand. Wie können Medienhäuser vor diesem Hintergrund neue Projekte zum Erfolg führen? Kassian Alexander Goukassian beschreibt den Ansatz von Falkemedia.

Der Gründer und CEO bei Falkemedia ist Referent auf der Konferenz „Zukunftsforum Zeitschriften: The Future Magazine“ der Akademie der Deutschen Medien am 8. Dezember im Literaturhaus München Opens external link in new window(hier weitere Infos). Sein Vortragstitel lautet „Durch E-Paper, Blogs und Social Media zu neuen Zeitschriften – Zur Konzeption und Umsetzung von ,Sweet Paul’, ,Glückswerk’ und ,Am Haken’“. 

Zeitschriftengründungen in dieser Zeit sind sehr mutig, wenn man die Auflagen-, aber auch die Anzeigenentwicklung insgesamt betrachtet. Mit welchem Ansatz gehen Sie neue Konzepte an?

Wir versuchen, das Modell des Lean-Start-up aus dem Silicon Valley auf den Print-Bereich herunter zu brechen: Vom Thema begeisterte Redakteure arbeiten Ideen und Konzepte aus, entwickeln Logo, Titel und dann wird innerhalb der Zielgruppen präsentiert und um Feedback gebeten. Kommt es gut an, probieren wir es im nächsten Schritt mit kleinen Auflagen in Testmärkten. Bevor es den großen Markt-Aufschlag gibt, haben wir viel gelernt und permanent optimiert. Das hilft, vom Marktbedarf zu lernen.

Wie finden Sie die richtige Nische für neue Zeitschriften? Wie läuft bei Ihnen das Themenscouting?

Es bleibt bei allen technischen Möglichkeiten ein höchst menschlicher Prozess. Inspirationen aus dem Ausland, Ideen, die im Web gut funktionieren und einfach quer gedachte Ideen aus dem Alltagsbedarf landen bei uns im Think Tank für neue Medien und werden immer wieder neu bewertet.

Wenn ein Verlag Geld hatte, wurde traditionell in klassische Marktforschung, meistens in Form von Fokusgruppen, investiert. Wie integrieren Sie die Leser in die Entwicklung und Verbesserung von Zeitschriftenkonzepten?

Diese Methode halte ich ohnehin für schwierig. Wir haben sie auch schon angewandt, aber aus meiner Sicht stellt sie kaum die Real-Bedingungen darf, die eintreten, wenn ein Kunde am Point of Sale steht und eine Kaufentscheidung entwickeln soll. Wir nutzen soziale Medien mehr als Leserbriefe, um in den Dialog zu treten. Facebook nutzt die Reaktionszeiten der Site-Betreiber, das ist ein guter, externer Motor, schnell und aufmerksam zu bleiben.

Nach der Gründung muss eine Zeitschrift erfolgreich Markt gehalten werden. Was ist Ihre Strategie? Wie oft und wie schnell passen Sie Konzepte an?

Ständig – auch wenn es schwierig ist. Zumindest aber in der Anfangsphase. Schauen Sie e-Commerce-Produkte an: Dort beginnt die Arbeit nach dem Launch, früher hat man bei Medien gedacht: Mit der Erstausgabe ist alles geschafft. Das hat sich geändert, auch wenn es gegen die Eitelkeiten und gelernten Handlungsweisen der Redaktionen ist. Wir haben das aber inzwischen alle sehr gut verinnerlich. 

Die Werbekunden werden immer anspruchsvoller, zum Teil investieren sie in eigene Inhalte (Stichwort „Content Marketing“). Wie reagieren Sie auf diese Entwicklung bei Ihren neuen Zeitschriften?

Indem wir einen hohen Beratungs-Ansatz ebenso entwickeln wie Multichannel-Kompetenz aufbauen. Seit 2 Jahren betreiben wir ein größeres Film- und Foto-Studio, SocialMedia-Experten, Programmier-Teams und Animations-Profis, für alles andere ein gutes Netzwerk. Im Food-Bereich haben wir beispielsweise eine Food-App konzipiert, umgesetzt, die Fotos- und Filme dafür geliefert und dank guter Reichweite erfolgreich im AppStore platziert. Das ist aus unserer Sicht 360-Grad-Content-Service mit der Kern-Kompetenz: Einfach hochkarätige Inhalte zu schaffen. 

Das Pressegrosso ist ein teurer Vertriebsweg mit oft hohen Remissionsquoten, die Gewinnung von Abonnenten wird immer aufwändigen und kostspieliger. Wie gehen Sie hier vor?

Zugegeben, wir sind noch ratlos. Das Pressegrosso ist spürbar schwieriger geworden – unser neuer Glückswerk-Titel wurde in Berlin nach nur 3 Tagen zu 80% remittiert. Das ist untragbar, der Händler tut sich selbst keinen Gefallen, sondern befeuert die Abwärtsspirale, wenn Neues derart ignorant behandelt wird. Aber es bedarf der richtigen, kooperativen Reaktion auf diese Entwicklung.

Ihr Vortrag auf dem Zukunftsforum Zeitschriften hat den Titel „Durch E-Paper, Blogs und Social Media zu neuen Zeitschriften – Zur Konzeption und Umsetzung von ,Sweet Paul’, ,Glückswerk’ und ,Am Haken’“. Was wird Ihre zentrale Botschaft sein?

Wenn man als Medienhaus nicht bestehende Ideen kopieren, sondern neue Ideen lancieren möchte, können Blogs durchaus eine nützliche Ausgangsbasis zur Erhebung der Marktchancen sein. Sie sind jedoch nur ein Bestandteil, hinzu kommt die notwendige Reichweite in die zukünftigen Märkte und neue Refinanzierungs-Ideen wie E-Commerce-Ansätze. Man sollte die digitalen Medien jedoch grundsätzlich als Chance nicht als Gefahr ansehen. 

Das Medienhaus verfügt über 20 Jahre Markterfahrung, und bedient die Palette von Print bis Digital. Zu den Produkten gehören u.a. die Magazine „Mac Life“, „iPhone Life“, das Musikproduktionsmagazin „Beat“, die Kochmagazine „So is(s)t Italien2, „sweet paul“, „LandGenuss“ und „Mein LandRezept“ sowie das Angelmagazin „Am Haken“.

Die Fragen stellte Ehrhardt F. Heinold

12. November 2015