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Weiterbildung

Strategie und Praxis verzahnen – Konzept der Medienakademie geht auf

Von Michael Lemster

Die Akademie der Deutschen Medien in München meldet über 30% Umsatzwachstum und eine geglückte Verbreiterung der Zielgruppe über die Buchbranche hinaus, für die sie gegründet wurde. Gesellschafterin Marianne Rübelmann und Akademie-Geschäftsführer Bernd Zanetti über einen sich wandelnden Fortbildungsbedarf.

 

Die 1999 als „Buchakademie“ gegründete Münchner Opens external link in new windowAkademie der Deutschen Medien ist eine Institution in der Fort- und Weiterbildung. 2014 benannte sie sich um – ein Signal an Unternehmen in Presse, Fachinformation und Digitalwirtschaft. Drei Jahre später ist dieses Signal angekommen, sagen Gesellschafterin und Geschäftsführer.  Die Akademie baut ihr Angebot in Richtung Business Development, Digital Media und Online-Marketing weiter aus. Kooperationen mit renommierten Verbänden und Partnern wie BVDW, VDZ, AMC, dem Content Marketing Forum, dem Strascheg Center for Entrepreneurship der Hochschule München, dem Mediennetzwerk Bayern, den Marketing Clubs München und Berlin sollen diese Ausrichtung stärken.

 

Berufliche Weiterbildung hat es nicht überall leicht momentan, das belegen der Marktaustritt der verbandsnahen ABZV und die „Auszeit“, die die Dialogakademie sich selbst verordnet haben will. Die Medienakademie dagegen jubelt. Hat die Aufgabe des Wörtchens „Buch“ im Namen bei Ihnen Wunder gewirkt?

Marianne Rübelmann: Wunder sind nicht berechenbar, diese Veränderung des Namens aber sehr wohl. Wir haben damit gerechnet, dass die Auffindbarkeit für andere Branchen durch die Umbenennung steigen wird und insbesondere die digitale Ausrichtung der Akademie ansprechend ist. Ein neuer Absender ist ein wichtiges Element, allerdings muss das Ganze mit Leben gefüllt werden. Es geht also nicht um ein „Wort“, sondern viel wichtiger ist die Ausgestaltung des Programms, die neue Zielgruppen ansprechen und begeistern muss. Daran arbeiten wir fortlaufend.

Ist eine enge Bindung an eine übergeordnete Organisation für Weiterbildungsunternehmen heute generell riskant?

Bernd Zanetti: Für Medienakademien, die sich nur an einer Medienbranche ausrichten, wird es schwieriger. Das belegt auch die negative Entwicklung bei den Akademien, die Sie oben anführten. Wir leben in einer zunehmend digitalen Medienwelt, in der die Grenzen zwischen den einzelnen Medienbranchen durchlässiger werden. Die Bindung an einen Verband oder eine Interessensgruppe ist deshalb kein Wettbewerbsvorteil.

Resultiert Ihr Wachstum nicht primär aus geschlossenen Veranstaltungen im Auftrag von Unternehmen und anderen Körperschaften?

Marianne Rübelmann: Die beste Werbung ist zunächst das Offene Programm. Dort erleben Mitarbeiter die Güte von Thema und Referent und holen beides danach eventuell in ihr Haus. Firmeninterne Veranstaltungen haben sich in den letzten Jahren konstant positiv entwickelt, aber wir haben auch ein zweistelliges Wachstum bei den Offenen Seminaren. Dieses Wachstum zeigt, dass unsere Seminare zu Themen wie digitale Produktentwicklung oder Online-Marketing sowohl in der Branche als auch in den neuen Zielgruppen auf sehr gute Resonanz stoßen. 

Bernd Zanetti: Die Relevanz und der Erfolg unserer Themen für andere Branchen empfinden wir als eine Voraussetzung für den Erfolg innerhalb der Verlagsbranche: Nur dann wird man heute als Anbieter ernst genommen. Die angesprochenen Fragen sind eben nicht primär branchengebunden.

Wie wichtig sind Kooperationen mit Unternehmen Multiplikatoren und Verbänden außerhalb der Buch- und Fachinformationsbranche für Ihre programmatische programmliche Ausrichtung und Ihren Erfolg?

Bernd Zanetti: Kooperationen mit Multiplikatoren und Verbänden sind in der gesamten Printbranche (Buch, Publikums- und Fachzeitschriften) sehr wichtig. Genauso wichtig ist die Kooperation mit Verbänden anderer Medien- und Digitalbranchen und nicht zuletzt die Zusammenarbeit mit Marketingclubs sowie medienaffinen Interessengruppen anderer Wirtschaftsbereiche (zum Beispiel im Finanz- oder Automotive-Sektor). Das stärkt uns, gibt thematische Impulse und bringt neue Referenten – immer einen Schritt schneller, als der Bedarf entsteht.

Die Verlagsgruppe Julius Beltz ist eine der Trägerinnen der Medienakademie. Warum tragen Sie etwas mit, von dem Angehörige aller Branchen profitieren sollen?

Marianne Rübelmann: Warum nicht? Auch Europa trägt sich gegenseitig – und wenn man meint, man braucht den anderen nicht mehr, dann geht man raus aus der Gemeinschaft? Das ist für mich nicht die Übersetzung des Begriffs Gemeinschaft, die auch eine Branche abbildet. Es ist eine Branchen- Verantwortung, für die ich stehe. Andere engagieren sich im Verband oder sind Vordenker und -kämpfer für das Urheberrecht. Außerdem: Wir sind nicht selbstlos Gesellschafter, wir und unsere Mitarbeiter profitieren von dem Angebot, wir benötigen eine starke Weiterbildung insbesondere in Zeiten des Strukturwandels und der digitalen Transformation. So zugeschnitten auf unsere Themen bieten das nur die Akademie und der Media Campus. Zwei Anbieter sind besser als einer.

Zudem: Wir bewegen uns längst nicht mehr in einer Branche, in der die Grenzen klar definiert sind. Wir benötigen digitale Talente und Menschen, die sich gerne weiterbilden. Unsere Mitarbeiter treffen in Seminarveranstaltungen auf Angestellte anderer Medienfirmen, das kann nur positiv sein, zu guter Letzt auch für unseren Verlag bei der Suche nach Mitarbeitern. 

Sind Sie auch offen für Vertreter anderer Branchen am Dozentenpult, oder sollen in der Medienakademie Medienprofis den anderen zeigen, „wie es geht“?

Marianne Rübelmann: Wer sich als gute Dozentin oder Dozent beweist, der gewinnt. Egal aus welcher Branche, nicht egal zu welchem Thema. Das muss schon zum Bedarf der Branche passen.

Bernd Zanetti: Es geht immer um die Qualität des Dozenten. Es geht in der digitalen Transformation um den Austausch von Erfahrungen, man lernt viel von scheinbar weit entfernten Bereichen. Zudem arbeiten viele ehemalige Medienleute heutzutage für Wirtschaftsunternehmen und gestalten mit sehr innovativen Ansätzen Corporate Media. 

Sie melden, dass Sie etwa 240 Themen besetzen – wie viele davon würden Sie als Erfolge bezeichnen?

Marianne Rübelmann: All die Themen, die gebucht werden und die die Branche nutzt. Wir reagieren kurzfristig auf Veränderungen im Markt oder auch direkt auf Wünsche von Kunden. Die Akademie hat eine niedrige Ausfallquote, eine gute Auslastung und eine erfreulich hohe Zahl an Mehrfach-Teilnehmern, die immer wieder Seminare buchen. Seminare, die schwach gebucht sind, werden jedes Jahr konsequent ausgelistet.

Bernd Zanetti: Unser Angebot ermöglicht eine systematische Weiterbildung in modularer Form. Deshalb gibt es auch das eine oder andere Nischenthema, das aber trotzdem im Rahmen der Ausbildung seine Bedeutung hat. Unsere rund hundert digitalen Themen, die klassischen Printthemen sowie die Selbstmanagement- und Führungsthemen sind erfreulich gut gebucht. 

Ist mit einem Umsatzwachstum von 30 Prozent gegenüber dem Vorjahreszeitraum die Welt für Sie in Ordnung, oder sind Sie auf der Suche nach weiteren relevanten Feldern?

Marianne Rübelmann: Die Akademie steht gut da, deshalb sind wir mit dem Umsatz zufrieden, 30% Umsatzwachstum hat man ja nicht alle Tage. Dies ist auch ein Beleg für die Strategie, neue Zielgruppen und Unternehmen anzusprechen und für unsere Seminarthemen zu erschließen. Die Akademie hat mit ihren Angeboten deutlich mehr Teilnehmer erreicht als bisher. Unser Geschäftsführer Herr Zanetti und seine Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter suchen immer nach neuen relevanten Themen, stehen mit Verlagen in engem Kontakt und unterstützen diese bei ihren Anliegen. An dieser Stelle als Gesellschafter meine Anerkennung: Wurden Sie schon einmal beraten in Fragen der firmeninternen Weiterbildung? Das ist sehr hohe Fachkompetenz und freundliche, kundenorientierte Beratung.

Bernd Zanetti: Wir sind auf dem richtigen Weg. Mehr als 2.000 Teilnehmer haben im ersten Halbjahr 2017 unsere Seminare besucht, für das Gesamtjahr rechnen wir mit rund 4.000 Teilnehmern. Um das Angebot aktuell zu halten, überarbeiten wir jedes Jahr einen Großteil der Veranstaltungen und bringen sie auf den neuesten Stand; außerdem entwickeln wir jährlich 30 bis 40 neue Seminare. 

Welche werden das sein?

Bernd Zanetti: Aktuell arbeiten wir am Ausbau unseres Seminarangebots in den Bereichen digitale Produktentwicklung und Online-Marketing. Unser Ziel ist es, in diesen Segmenten ein vollständiges Angebot bieten zu können. Zudem wollen wir einige Themen auch in Form von E-Learning anbieten. Und natürlich werden wir auch im nächsten Jahr wieder aktuelle Trendthemen wie Chatbots oder Künstliche Intelligenz adressieren.

Was heißt Innovation für die Medienakademie, und wie betreiben Sie selbst Innovation?

Marianne Rübelmann: Innovation? Dem Kunden Themen vorschlagen, von denen er selbst noch nicht weiß, dass er sie demnächst brauchen wird. 

Bernd Zanetti: Wir veranstalten vier Mal jährlich einen Zukunftskreis, in dem wir mit Vertretern aus der Digitalbranche und mit Führungskräften aus den Medienbranchen über digitale Innovationen diskutieren. Ebenso arbeiten wir mit einer Reihe von Medien-Startups zusammen: wir tauschen uns aus, lassen uns inspirieren und bieten den Startups eine Bühne im Rahmen unserer Veranstaltungen. Jedes Jahr haben wir außerdem besonders innovative Seminare im Angebot, von denen wir zwar wissen, dass sie noch nicht auf eine breite Resonanz stoßen werden. Aber meist entwickelt sich aus diesen Seminaren eine Reihe von firmeninternen Projekten. Das sind die Türöffner für das zukünftige Programm.

 

Fotos: Julius Beltz GmbH & Co. KG (Foto Marianne Rübelmann), Akademie der Deutschen Medien

14. September 2017