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Wie der E-Book-Anbieter Readfy Leselisten einsetzt

Leselisten als Retention-Maßnahme – und Marketing-Format

In der Musikwelt sind Playlists seit Jahrzehnten beliebte Mittel, um Favoriten zu verwalten und passende neue Stücke zu finden. In der Buchbranche zeichnet sich ein ähnlicher Trend ab, zumindest nach Einschätzung von Readfy. Im Interview beschreibt Miriam Behmer (Foto), Geschäftsführerin beim Düsseldorfer Anbieter kostenloser Lektüre von E-Books, das Prinzip und die Perspektiven.

In der Musik bestehen Playlisten aus einzelnen Tracks, weniger aus Alben. Wieso funktioniert das Prinzip offenbar dennoch in der Buchbranche mit ganzen Büchern?

Aus meiner Sicht sprechen Play- und Leselisten ähnliche Bedürfnisse an: Viele entscheiden schlichtweg nicht gerne alleine - kommunizieren aber umso mehr: Zum einen sind Kunden überfordert mit der großen Bandbreite an Titeln, die der Markt so bietet. Sucht man ein Buch zu einem bestimmten Thema und enthält hunderte von Treffern, wie soll man sich dann entscheiden, was man liest? Da sind Leseempfehlungen schon immer ein zentraler Faktor – Kunden suchen nach Unterstützung und Impulsen in ihrem Entscheidungsprozess. Diese dann thematisch in Listen zusammenzustellen, ist dann einfach der nächste konsequente Schritt – und letztendlich auch nichts komplett Neues, denkt man z.B. an Thementische in Buchhandlungen. Zum anderen teilen wiederum viele Leser gerne – was sie hören oder, in unserem Fall, was sie lesen. Es geht also letztendlich in beiden Märkten um Orientierungs- und Kommunikationsbedürfnisse der Kunden. 

Readfy geriert sich als Erfinder der Leselisten in der Buchbranche. Was unterscheidet Sie in der Hinsicht von Lovelybooks oder Goodreads?

Wir sehen uns keinesfalls als Erfinder von Leselisten! Redaktionen, Händler und Leser stellen ihre Empfehlungen schon lange in Leselisten zuammen. Wir bei Readfy verfolgen nur oftmals den Ansatz, bestehende und funktionierende Ideen weiterzuentwickeln. Zum Beispiel also herkömmliche Leseliste mit Datenanalyse-Algorithmen zu verknüpfen, um so unseren Lesern sowohl Empfehlungen zu geben, bei denen sie sich denken „Ach ja - Das wollte ich schon immer mal lesen“,  als auch ganz neue Themenkomplexe anzubieten. Was uns darüber hinaus von den Plattformen wie Lovelybooks oder Goodreads unterscheidet, ist die Kombination aus Leseempfehlungen und der Möglichkeit, die E-Books sofort mit nur einem Klick lesen zu können. Es geht doch letztendlich nicht hauptsächlich darum, neue Titel zu entdecken – sondern diese eben auch zu konsumieren. Unsere Conversion zwischen „Kunde sieht das Buch“ und „Kunde liest das Buch“ ist so sehr hoch. Und dies macht es für Verlage und Autoren so spannend. 

Was ist beliebter bei den Nutzern, die redaktionell oder algorithmisch erstellten Listen?

Das kann man so nicht eindeutig sagen. Viele unserer Listen sind eine Kombination aus beidem. Die Idee entsteht in der Redaktion, die Zusammenstellung der Titel und die spätere Optimierung basiert dann eher auf unseren Daten. Aber was man generell beobachten kann: Redaktionelle Listen haben oft mehr Follower – die algorithmisch erstellen Listen erzielen aber höhere „Lese“-Conversions. Um viele „Fans“ zu haben, braucht es eben doch oft häufig noch einen kreativen Impuls – um User in Leser/Käufer umzuwandeln, geht es eher um Analysen. 

Wie wird aus Leselisten für Sie ein Geschäftsmodell?

Ich sehe Leselisten für Readfy nicht als alleinstehendes Geschäftsmodell. Es ist aber ein wichtiger Bestandteil unseres bestehenden. Gerade, da wir User nicht durch ein Abo an uns binden, ist es von zentraler Bedeutung, sich über Retention-Features Gedanken zu machen. Legen User beispielsweise selbst Leselisten an oder folgen unseren, ist die Ausstiegshürde deutlich höher. Neben der Retention wirken sich permanent ändernde und individuell passende Lese-Empfehlungen auch sehr positiv auf die Aktivität der User aus. Da unser Geschäftsmodell grundsätzlich auf einer seitenbasierten Abrechnung beruht, ist es wichtig, dass die User so viel wie möglich lesen. Im Gegensatz zu vielen anderen Abo-Modellen sind Vielleser für uns von Vorteil. 

Darüber hinaus hat sich in der Musikbranche ein ganz neuer Ansatz des Playlists-Marketing gebildet: gesponserte Listen. Dies ist ein Ansatz, der auch für uns sehr spannend ist, und den wir perspektivisch zu einer weiteren Ergänzung unseres Geschäftsmodelles ausbauen werden.  

16. September 2016