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App-Marketing

Push Notifications richtig machen!

Von Benjamin Günther

Push Notifications sind für Betreiber von Apps, aber auch von Newssites, ein machtvolles Mittel, mit Usern in unmittelbaren Kontakt zu treten, ihre Loyalität zu unterstützen und mehr Besuche zu generieren – wenn der Betreiber denn verantwortungsvoll mit dieser Macht umgeht. Anderenfalls „bedanken“ sich User nicht nur, indem sie die Notifications abbestellen, sondern viel häufiger, indem sie die App komplett löschen.

 

Lasst uns das Ganze doch mal richtig machen! Denn es ist doch zum Mäusemelken. Ganz ehrlich, da haben wir mit Push Notifications ein so mächtiges Marketingwerkzeug, und dann wird es von so vielen so falsch eingesetzt. Oder hast du schon mal von jemandem gehört:

„Push Notifications? Oh ja, da hab ich richtig Bock drauf! Kann mir nichts besseres vorstellen, als auch noch auf meinem Handy mit unsinniger Werbung zugespamt zu werden.“ oder

„Wenn ich eine App runterlade, ist das erste was ich tue, die Push Notifications zu erlauben!“ oder

„Boah, hast du neulich diese enorm coole und witzige Push Notification von XY gesehen!?“

Eher nicht. Und genau da liegt der Fehler. In einer perfekten Welt wäre genau das der Normalzustand. Aber so oft muss man feststellen, dass wir nicht in einer perfekten Welt leben. Wow, jetzt ist die Laune am Boden. Und dabei wollte ich euch mit diesem Artikel neben Informationen auch noch ein bisschen Unterhaltung bieten. Aber ich mache es wieder gut.

Aber warum überhaupt Push Notifications?

Das ist recht einfach. Damit habt ihr die großartige Möglichkeit, mit einer spezifischen Zielgruppe direkt und ungefiltert zu kommunizieren. Durch das Installieren einer App hat der Nutzer sein Interesse am Produkt von sich aus signalisiert und sich quasi von selbst selektiert. Ihr müsst dafür keine Marktforschung betreiben und keine teure Werbekampagnen testen. Eure Zielgruppe präsentiert sich vor deinen Augen und du musst nur zugreifen! Einen besseren ROI gibt es nicht.

Um so trauriger ist es, wie mit diesem Potenzial umgegangen wird. Laut einer Umfrage von Appiterate sind nervige Push Notifications der Grund Nummer eins, warum eine App wieder deinstalliert wird. Diese Erkenntnis ist zwar schon ein paar Jahre alt, dürfte aber sehr wenig an Aktualität verloren haben.

Warum User Apps deaktivieren. Quelle: Appiterate

 

Sehr bemerkenswert ist dabei, dass es ja in den meisten Apps eine Möglichkeit gibt, Benachrichtigungen auszuschalten. Oder zumindest über die Systemeinstellungen geht es. Das heißt, der Grad an Nervigkeit muss ziemlich groß sein, wenn es dennoch keinen größeren Grund gibt, eine Anwendung wieder vom Smartphone zu schmeißen. Aber in der Theorie kann man viel erzählen. Schauen wir uns doch mal die Realität an:

Beispiele für schlechte Push Notifications

 

Ok, ich denke du verstehst, auf was ich hinaus möchte. So amüsant so manch fehlgeschlagene Push Notification auch sein mag, man sollte sich eigentlich darauf konzentrieren, es richtig zu machen. Doch wie genau sieht das aus?

Frequenz

Der größte Fehler ist es sicherlich, zu viele Benachrichtigen zu verschicken. Selbst, wenn der Nutzer dein Produkt liebt und eigentlich nicht genug davon bekommen kann – auch für ihn gibt es eine Grenze. Du solltest Zeit in das Kennenlernen deiner Nutzer investieren. Was ist deren Lifestyle? Was sind die Bedürfnisse? Daraus kannst du sehr gut schließen, welche Frequenz für deine Zielgruppe geeignet ist. Finde die goldene Mitte!

Relevanz

Der Mehrwert ist das Herzstück einer guten Push Notification. Denke mal an dich selbst: Du gehst an dein Handy und das erste, was du siehst, ist ein Bildschirm voller Benachrichtigungen. Was müsste eine solche Notification haben, damit du nicht mit den Augen rollst, sondern dich vielleicht sogar freust? Sie müsste nützlich oder interessant sein. Sie müsste etwas haben, dass dich persönlich anspricht, inspirierend ist oder ein Bedürfnis befriedigt.

Vermeide Push Notifications, mit denen du einfach nur Nutzer in die App holen möchtest. Klar ist das am Ende das übergeordnete Ziel, die Kunst ist es aber, den Nutzer davon nichts merken zu lassen. Gestalte deine Benachrichtigungen klar und eindeutig. Sprich dieselbe Sprache wie deine Nutzer, gestalterisch wie textlich! Schicke nicht die gleiche Nachricht an alle. Segmentiere deine Nutzerschaft in verschiedene Gruppen basierend auf Eigenschaften wie zum Beispiel Alter, Geschlecht, Interessen etc. und erstelle für jede einzelne eine eigene Ansprache.

Timing

Ob du es glaubst oder nicht: Das ist nicht so trivial, wie man an der weiter oben beschriebenen „Worst Practice“ sehen konnte. Es gibt definitiv coolere Dinge, als mitten in der Nacht von einem vibrierenden Handy geweckt zu werden, weil dir jemand fünf % Rabatt auf deine nächste 10-er Packung Klopapier geben möchte. Also musst du herausfinden, wann für deine Nutzer die richtige Zeit für eine Push Notification ist. Allgemein kann man sagen, dass die Smartphone-Nutzung zwischen 18:00 und 22:00 ihren Höhepunkt hat. Aber letztendlich musst du das selbst evaluieren. Und achte darauf, in welchen Zeitzonen deine Nutzer unterwegs sind!

Testen, testen, testen

Wie eigentlich immer ist es auch hier wichtig, alles zu testen. Stelle deine Strategien auf den Prüfstand und lerne aus den Ergebnissen. Natürlich gilt das auch für Push Notifications. A/B-teste deine Nachrichten innerhalb der verschiedenen Segmente und optimiere anhand von Schlüsselelementen wie Texten, Grafiken und Zeit. Finde Antworten auf die Fragen: Bringt die Benachrichtigung den Nutzer dazu, eine bestimmte Aktion durchzuführen? Wieviele Nutzer kommen nach der Aussteuerung der Notification tatsächlich zurück in die Anwendung. Wie hoch ist die Anzahl der Nutzer, die nach der Kampagne die Benachrichtigungen ausschalten?

Fazit

Push Notifications gehören zu den mächtigsten Instrumenten, die uns im App-Marketing zur Verfügung stehen. Aber nur, solange man es richtig macht. Leider machen es viele falsch, weshalb sie ein teilweise sehr schlechtes Image geniessen. Und das, obwohl die Erfolgsformel eigentlich sehr einfach ist: Segmentiere, personalisiere, teste und optimiere.

 

Mit freundlicher Genehmigung des App Marketing Blog.

 

Benjamin Günther ist (Co-)Founder von Growfirst, Social Media-Enthusiast, Brand Manager, Mobile Growth-Hacker ☀️

 

Teaserbild: Doug Belshaw / flickr Lizenz: CC BY 2.0

07. August 2017