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Redaktion/Lektorat, Management, Menschen, Buch

Einfach gelernt:

Die 10 Grundsätze des guten Schreibens

Von Damian Sicking

Wie schreibt man einen verständlichen, klar strukturierten Text, der für sich selber stehen muss? Ein Konzept, einen Werbebrief oder ein Akquiseschreiben? Menschen, die ohne darüber nachzudenken, jeden Tag Dutzende E-Mails oder Anweisungen schreiben, versagen hier oft kläglich. Denn sie wissen, hier ist ein nachträgliches Nachschärfen der Aussage, etwa durch eine mündliche Erklärung, nicht so leicht zu machen. Dabei ist es möglich, auch diese anspruchsvollen Texte zu meistern. Ein Ratgeber erklärt, worauf es ankommt und wie es genau gemacht wird.

 

Klaus ist Verkäufer. Er kann reden wie ein Buch. Aber wehe, Klaus soll mal etwas schreiben, sagen wir einen Artikel für die Mitarbeiterzeitschrift oder das Firmenintranet, in dem er sich und seine Arbeit vorstellt. Dann bekommt Klaus Knoten in die Finger. Er quetscht dann zwar irgendwie irgendwas heraus, aber das liest sich wie eine Mischung aus Bedienungsanleitung und Regierungserklärung. Furchtbar. Und so wie Klaus geht es vielen. Der Grund: In der Schule lernen wir zwar Schreiben, aber gute Texte verfassen, die andere mit Freude lesen, das lernen wir dort in der Regel nicht.

Einfach machen – einfach schreiben!

Und weil das so ist, brauchen wir Hilfe. Das kann eine Schreibwerkstatt sein oder ein Seminar. Für den Anfang reicht vielleicht auch schon ein Buch. Wie zum Beispiel das von Hannes Külz. Es heißt „Einfach schreiben im Beruf. Wie Sie sich und Ihrem Leser eine Freude machen“ und ist im Haufe-Verlag erschienen. „Einfach schreiben“ – das sind bereits zwei Botschaften auf einmal. Zum einen sollen wir, sagt Külz, einfach drauflos schreiben und nicht erst tage- oder wochenlang mit dem Text schwanger gehen. Und zum anderen sollen wir einfach schreiben, also so, dass wir auch verstanden werden, ohne Kauderwelsch und gedrechselte Formulierungen. Dass Hannes Külz weiß, wovon er spricht, dürfen Sie glauben. Er ist gelernter Journalist und war unter anderem Redakteur bei der Financial Times Deutschland. Heute coacht er unter anderem Führungskräfte im Schreiben – von der Korrespondenz über Redemanuskripte bis zu journalistischen Texten. Es geht in Külz´ Buch ums Schreiben IM Beruf, nicht ums Schreiben ALS Beruf – obwohl professionelle Schreiber von der Lektüre des Buches durchaus noch profitieren können.

Mit gewöhnlichen Wörtern ungewöhnliche Dinge sagen

Auf knapp 200 Seiten gibt Külz jede Menge Tipps und Empfehlungen, wie Sie es schaffen, einen guten Text zu schreiben, ob Brief, E-Mail, Projektbericht oder Fachartikel. Dazu nutzt er eine Fülle von guten und schlechten Beispielen und macht deutlich, mit welch einfachen Mitteln man eine ganz andere Wirkung erzielen kann. Für den Überblick hier seine zehn Grundregeln des Schreibens:

Kompliziert heißt nicht kompetent. Zeigen Sie Ihre Kompetenz, indem Sie Schwieriges und Kompliziertes einfach ausdrücken. Oder um mit dem Philosophen Arthur Schopenhauer zu sprechen: „Man nehme gewöhnliche Wörter und sage ungewöhnliche Dinge.“

Jeder kann schreiben. Gutes Schreiben besteht zu 75 Prozent aus Handwerk. Man kann es lernen und muss es dann üben. „Ich habe kein Talent zum Schreiben“ ist ein billige Ausrede. Talent ist prima, muss aber nicht sein.

Der Autor schließe nicht von sich auf den Leser. Sicher kennen Sie den Spruch: „Der Wurm muss dem Fisch schmecken, nicht dem Angler.“ Bedeutet in diesem Fall: Denken Sie beim Texten immer an den Leser, den Sie erreichen wollen, dem Sie etwas mitteilen wollen und der den Text verstehen soll.

Einer leidet immer. Entweder Sie leiden beim Schreiben, weil es Mühe bereitet, einen Text gut und verständlich zu machen. Oder der Leser leidet, weil er Schwierigkeiten hat, ihren unverständlichen Text zu lesen und zu verstehen. Aus Respekt vor dem Leser sollten Sie derjenige sein, der das Leiden auf sich nimmt – und weil so die Chance ungleich größer ist, dass Ihr Text auch (zu Ende) gelesen und verstanden wird.

Der Bauch hat meistens Recht. Eine Textpassage, die Ihren Bauch langweilt, langweilt auch Ihren Leser. Eine Erklärung, die Ihr Bauch nicht versteht, versteht auch Ihr Leser nicht. Eine Formulierung, die Ihr Bauch komisch findet, findet auch Ihr Leser komisch. Der Bauch ist ein guter Ratgeber. Hören Sie auf ihn.

Bürokratensprache ist heilbar. Schreiben Sie nicht so wie das Finanzamt oder das Amtsgericht. Die Sprache ist so tot wie der Friedhof von Hinterpfuiteifi. Eine Qual für jeden Leser. Sie sollen Ihre(n) Leser nicht quälen, sondern ihm eine Freude machen.

Beispiele sind unverzichtbar wie tragende Wände. Der Text ist zu lang und muss gekürzt werden? In diesem Fall fliegen meistens als erstes die Beispiele raus. Ein Fehler! Beispiele sind so unverzichtbar wie die tragenden Mauern in einem Gebäude. Fehlen sie, droht Einsturzgefahr.

Schreiben braucht einen klaren Ablauf. Planen Sie nicht nur, WAS Sie schreiben wollen, sondern auch, WANN Sie dies tun, WIE LANG der Text werden soll und BIS WANN er fertig sein soll.

Reden ist ein Teil des Schreibens. Mit anderen über den zu schreibenden Text reden, hilft ungemein, sich klar über das Thema zu werden, Anregungen zu erhalten und Erwartungshaltungen kennen zu lernen.

Bitte um Kritik ist kein Eingeständnis von Schwäche. Das sollten Sie sich unbedingt von den Schreib-Profis abschauen: Das Gegenlesen! Und damit ist nicht nur das Korrekturlesen gemeint. Stellen Sie Ihren Text zur Kritik, fragen Sie Ihren Kollegen, Ihre Frau oder Ihren Mann, was er bzw. sie davon hält, ob er klar und verständlich ist und vor allem auch, ob er den Inhalt, den er rüberbringen soll, tatsächlich auch rüberbringt. Und dann setzen Sie sich noch mal dran.

Roter-Reiter-Fazit: Ein hilfreiches und unterhaltsames Buch für Einsteiger, aber auch für Profis. Gute Texte schreiben, das ist keine Kunst, sondern Handwerk. Und hier erfährt man, wie es geht.

 

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02. März 2017