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Readfy-App ist produktiv:

Kein Neuaufbruch ins digitale Lesen

Von Michael Lemster

Mit vielen Vorschuss-Lorbeeren bedacht, startete am 27.09.2014 die readfy-App. Das Konzept: werbefinanziertes mobiles Gratislesen. Am Start: laut Angaben des Anbieters ca. 25.000 E-Books. Die User Experience: mau.

 

Die Ankündigung von readfy, einem werbefinanzierten EPUB-Leseportal, im April 2014 löste Interesse, teilweise Begeisterung aus. Einige Wochen war readfy Tagesgespräch - dann wurde es, wie in solchen Fällen üblich, still um die Anwendung und ihre Macher. Jetzt ist die neue readfy-App für Android und iPhone da - und überzeugt noch nicht völlig.

Das Beste ist das Start-Programm von 25.000 Titeln (was sich schlecht nachprüfen lässt). Bekannte Verlagsnamen sind z.B. Matthes & Seitz, weissbooks, Brunnen, Westend, Picus, anaconda oder Heel. Es sind noch viele andere Verlage mit dabei. Diese tragen mit durchaus frischen Titeln zur Liste bei, die sich nur online lesen lässt. Die weitaus überwiegende Mehrzahl der Titel stammt allerdings aus den üblichen Quellen der Books on Demand und neuer E-Verlage, denen an Reichweite um jeden Preis gelegen sein muss.

Das Programm ist notdürftig erschlossen durch einige Rubriken wie "neu", "gerade gelesen" etc. Nach einigem Suchen finden sich auch Sachgebiete, die das weitgehend übliche Bild zeigen: reichlich Category Fiction incl. Erotik. Auch bildlastige Genres wie Kochbücher sind vertreten, das machte neugierig auf die Bilder-Integration.

Der Aufruf der Inhalte flutscht, auch die Einstellungen von Schriftgröße, Helligkeit usw. Damit endet der Komfort aber auch. Die Navigation innerhalb der einzelnen Titel ist schwierig - in dem erwähnten Kochbuch ist es kaum möglich, ein Rezept zu verstehen, da die Seitenanzeige sich (unter Android 4.2.2.) nicht verschieben lässt; sofort hat man statt dessen eine Textpartie zum Kopieren markiert. Die zugehörigen Bilder sind als kleine Objekt-Rähmchen im Text platziert, aber diese enthalten keine Verweise, so stehen die Grafiken zusammenhanglos irgendwo anders herum.

Die Links in den Inhalts- oder Rezeptverzeichnissen funktionieren nicht, statt dessen kann es beim Drauftippen passieren, dass man lärmende, völlig zusammenhanglose Videowerbung auslöst. Wenn Features wie dieses die Überlegenheit des Tablets als Lesegerät ausmachen, ist es vielleicht doch besser, beim dedizierten Schwarzweiß-Reader zu bleiben.

Auch Layout und Typographie laufen Amok: Schriftfarben, Schriftgrößen, Absatzabstände fallen ohne erkennbare Logik durcheinander. Die "Social Reading"-Features sind die Basics; Witz und Pfiff sehen anders aus.

Fazit: um in dem mittlerweile sehr gut besetzten Markt der Reading-Apps einen Akzent zu setzen, muss readfy noch ziemlich hart arbeiten Die wenigen Euros, die der Leser gegenüber Skoobe o.ä. spart, werden nicht viele Leute zum Umstieg bringen. Dazu sind die Leser schon zu erfahren. readfy erinnert heute noch ziemlich an eine Leseplattform vor fünf Jahren und geht über diese nicht wesentlich hinaus.

28. September 2014