powerded by www.buchreport.de
i
Vertrieb, Marketing/Werbung, Pubiz-Newsletter, Geschäftsmodelle

Nur wenige Verlage setzen bisher auf mobile Websites

Fehlanzeige für die Mobilen

Von Michael Lemster

Die mobile Nutzung des Internets via Smartphones und Tablets steigt rasant, aber Buchverlage halten sich überwiegend mit entsprechenden Web-Angeboten zurück. Das zeigen zwei Analysen der Internetagentur Wirth & Horn. 

Die betreut Websites, Shops und CMS-Lösungen von etwa 30 Kunden, darunter überwiegend Verlage. Jetzt veröffentlichte sie anonymisiert die Zugriffe auf deren Websites, und zwar differenziert nach Gerätetyp und Betriebssystem, sodass auch explizit die mobile Nutzung erkennbar wird:

  • Bei einem der größten Kunden – einem Belletristikverlag, der im buchreport-Ranking der größten Verlage unter den Top 50 rangiert – hat sich seit 2011 die Zahl der Zugriffe via Smartphone verfünffacht, während die Zugriffszahl per Desktop stagniert.
  • Besonders die Sites der Bestsellerautoren bekommen viel mobilen Besuch; beim Topautor des Verlags kommen mittlerweile nur noch 55% der Zugriffe von Desktop-PCs.
  • Das Bild bei den anderen von Wirth & Horn betreuten Verlagen ist ähnlich, auch bei Special Interest, Fachinformation und Bildungsmedien.

Diese Zahlen, die Entwicklung der technischen Rahmenbedingungen sowie die Verbreitung mobiler Geräte, legen folgende Schlussfolgerungen nahe:

  • Die Migration der Anbieter ins mobile Web ist in vollem Gang. 
  • Reichweiten-Steigerungen kommen nur noch aus dem mobilen Web.
  • Die mobilen Zugriffe dürften auf absehbare Zeit in Schritten von jährlich über 50% weiterwachsen.
  • Die zunehmende Breitbandigkeit der Netze und weitere technologische Entwicklungen dürften den Trend beschleunigen, unterwegs ins Internet zu gehen, sich über Angebote zu informieren und zu kaufen.

Nutzen, Erfolg und Wirtschaftlichkeit von Internet-Aktivitäten der Verlage für Endkunden wie Social Media und Leser-Newsletter sowie die Sichtbarkeit des Titelangebots und der eigenen Marke hängen somit immer stärker am mobilen Kanal.

Auch große Verlage halten sich zurück

Die Internetaktivitäten der Buchverlagsbranche entsprechen dieser Entwicklung bisher keineswegs, wie Wirth & Horn anhand des buchreport-Rankings der 100 größten Verlage untersucht hat: 77 der Top-100-Verlage haben keine mobile Website, höchstens Microsites oder Apps, etwa für einzelne Autoren oder Titel. Auch wenn man die Top-50- oder auch nur die Top-10-Verlage zugrunde legt, bleibt die Quote der mobilen Websites unter 25%.

Mögliche Gründe für die Zurückhaltung:

  • Unsicherheit darüber, welche technische Umsetzung (Responsive Design, eigene Mobile Websites, Apps) die zukunftsträchtigste ist.
  • Investitionsvolumen in Technik und die Komplexität des Content-Managements bei Optimierung für unterschiedliche Bildschirmgrößen.
  •  Ungeklärte Zuständigkeiten zwischen Marketing, Vertrieb und Kommunikationsabteilung.

Bei Piper gab Marketingleiter Michael Then zufolge die grundsätzliche Neuausrichtung des Webauftritts und Shops den Startschuss in eine „Mobile-First“-Zukunft mit Responsive-Design für Desktop, Tablet und Smartphone. W&H-Geschäftsführer Eckart H. Horn fügt hinzu: „Der Druck in Richtung Mobility ist zwar unbequem, gibt den Verlagen aber die Chance, Entscheidungswege und Strukturen im Verlag zu überdenken und sich dabei auch neu aufzustellen, vom digitalen Produktportfolio über EDV-Systeme und Datenhaltung bis hin zur Werbung und Monetarisierung.“

Mobiles Internet für Buchverlage

Für Verlage ergeben sich aus dem zunehmend mobilen Zugriff auf Verlags- und Autoren-Websites u.a. folgende Fragen:

  • Was bedeutet die Nutzung des mobilen Webs über die Nutzung anderer Geräte hinaus: Was erwartet der mobile Nutzer?
  • Welche Chancen und Anforderungen ergeben sich für Verlage daraus?
  • Bei welchen Typen von Verlagen und bei welchen Anwendungen ist der Handlungsdruck am größten?
  • Welche Veränderungen sind bei Planung, Redaktion, Content-Management, Vermarktung, Monetarisierung etc. notwendig?
  • Ist eine mobile Website oder eine App sinnvoller?
  • Werden mobile Anwendungen als Parallelwelt oder technisch nahe an den Desktop-Anwendungen angelegt?
  • Wie lassen sich die mobilen Aktivitäten finanzieren?
17. Dezember 2014