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Im pubiz.de-Interview: Bernd Zanetti, Mitbegründer und Geschäftsführer der Akademie der Deutschen Medien

Eine "Medien-Branche" – gibt es die überhaupt?

Von Michael Lemster

Die Münchner "Buchakademie" ist eine Institution in der Fort- und Weiterbildung. 2014, 15 Jahre nach ihrer Etablierung, benannte sie sich in "Akademie der Deutschen Medien" um – auch Presse, Fachinformation und Digital-Unternehmen sollten sich angesprochen fühlen. Der verbreitende Buchhandel als Kunde sandte ohnehin nur spärlich seine Leute in die Akademie. Nach Beginn des zweiten Jahresprogramms als Medienakademie zieht Geschäftsführer Bernd Zanetti erste Bilanz.

 


Bernd Zanetti,
 studierter Romanist, Germanist und Komparatist, leitet seit 1997 als kommissarischer Leiter, seit 1999 als Geschäftsführer die Münchner Akademie der Deutschen Medien.

Nach seinem Studium an den Universitäten München und Venedig arbeitete Bernd Zanetti an einem Forschungsprojekt an der Freien Universität Berlin, 1985 bis 1992 als Dozent für verschiedene Institutionen der Erwachsenenbildung. 1991–1994 freier Kulturjournalist. Daneben 1992–1994 Betrieb einer Verlagsberatungsagentur. Von 1994–1998 Referent, dann Projektleiter des Referats "Fortbildung im Medienbereich" der Bertelsmann-Stiftung.

 

 

Herr Zanetti, was 1993 als „Buchakademie“ an den Start ging, heißt seit der Buchmesse 2014 „Medienakademie“. 16 Monate und zwei dicke Jahresprogramme später können Sie sicherlich sagen, was das gebracht hat.

Ja, wir sind mit den Entwicklungen nach der Umfirmierung sehr zufrieden. Schon vor gut zehn Jahren haben wir damit angefangen, unser Portfolio neben dem Print-Bereich um digitale und medienübergreifende Themen zu erweitern und Zielgruppen weit über Buchverlage hinaus anzusprechen.

Um dieser Veränderung auch durch den Namen Rechnung zu tragen, war es nun die logische Konsequenz, die Akademie umzubenennen. Als Akademie der Deutschen Medien gelingt es uns jetzt noch besser, neben Verlagen auch neue Zielgruppen rund um das Thema Publishing anzusprechen und zu erreichen – ob im Print-, Digital- oder Mobil-Bereich.

Fort- und Weiterbildung sind heute gut besetzte Märkte, auch in der Medienbranche. Spürten Sie, dass Ihnen Ihre Felle wegschwimmen?

In bestimmten Segmenten ist es natürlich nicht ganz einfach, da teilweise schon ein großes Überangebot herrscht, zum Beispiel bei Marketing- und PR-Themen oder im Management-Bereich. Erfreulicherweise verzeichnen wir trotzdem steigende Buchungszahlen.

Die Akademie verfügt über mehr als zwanzig Jahre Erfahrung im Weiterbildungsgeschäft und sie hat ein hervorragendes Netz aus hochqualifizierten Referenten. Das Know-how sowie das umfassende und systematisch aufgebaute Angebot an Themen scheinen unsere Teilnehmer zu schätzen.

Sind Ihnen die Verlagsteilnehmer treu geblieben?

Ja das sind sie, Verlage sind nach wie vor die Kernzielgruppe der Akademie, für die wir als gemeinnützige GmbH zudem einen Weiterbildungsauftrag haben. Daher orientieren wir uns am sich wandelnden Bedarf der Medienbranche und entwickeln laufend neue Angebote, die speziell diese Zielgruppe ansprechen, z. B. Seminare rund um Produkt- und Projektmanagementthemen in Verlagen oder die alljährliche E-Book-Konferenz. Neben Print stellen digitale Themen heute eine wichtige Säule unseres Portfolios dar – Verlage erweitern ihr Spektrum um digitale Medien und Geschäftsmodelle, diese Veränderungen begleiten wir mit neuen Angeboten.

Wen haben Sie hinzugewonnen?

Wir haben die Teilnehmerschaft weiter ausgebaut, die wir schrittweise seit zehn Jahren erschlossen haben. Hinzugekommen sind andere Zielgruppen, die ihr Publishing-Know-how in Print und digital ausbauen wollen. So haben wir zusätzliche Teilnehmer aus anderen (Medien-) Branchen, aber auch aus Digital-Unternehmen, Agenturen und von Corporate Publishern gewonnen.

Gibt es das überhaupt – „die Medienbranche“? Oder fühlt sich nicht jede Bücherfrau, jeder Pressemann, jeder Fachverlag ausschließlich seiner Heimat-Branche zugehörig?

Im digitalen Bereich verschwimmen die Branchengrenzen seit Jahren zunehmend, daher ist es durchaus sinnvoll von „Medienbranche“ zu sprechen. Viele Fachverlage haben sich mittlerweile z. B. in Medienhäuser umbenannt.

Verlagshäuser, Musiklabels, TV- und andere Unternehmen erweitern ihre Portfolios zunehmend, z. B. durch mobile Angebote und Apps, digitale Informationsplattformen und Communities oder Social-Media. Diese Entwicklungen sind ja auch über die Medienbranche hinaus zu beobachten. So steht mittlerweile jedes größere Unternehmen vor der Herausforderung, zum Medienunternehmen in eigener Sache zu werden und Inhalte über unterschiedlichste Kanäle von Print über Social Media bis hin zu Mobile zu veröffentlichen.

Können Sie genauer angeben, wie viele Teilnehmer von außerhalb der Buchbranche Sie hinzugewonnen haben?

Unsere Teilnehmerzahlen wachsen aktuell, daher sind wir zufrieden. Natürlich bleiben Verlage unsere Hauptzielgruppe, aber wir konnten Teilnehmer aus anderen (Medien-)Branchen in relevantem Umfang hinzugewinnen. 

Welche Auswirkungen hatte die Umfirmierung letzten Endes auf Ihr Programm?

Wir entwickeln weiterhin zielgruppenspezifische Angebote – auch für Print –, öffnen aber andererseits Seminare, wo es Sinn macht, für neue Zielgruppen. Das ist insbesondere bei digitalen Themen der Fall. Insgesamt sorgen wir mit dem Jahresprogramm 2016 und der neuen Seminarstruktur für einen übersichtlichen und einfachen Zugang für alle Zielgruppen zu den Themen, die wir anbieten: Management, Digitale Medien, Herstellung und Gestaltung, Produktmanagement und Lektorat, Marketing und Vertrieb, Medienrecht, Redaktion, PR und Corporate Media sowie Persönliche Kompetenzen.

Sind neue Schwerpunkte und Formate entstanden?

Das Akademie-Angebot umfasst offene Präsenzseminare und Zertifikatskurse, die auf unterschiedliche Niveaus vom Anfänger und Quereinsteiger bis zum Manager ausgerichtet sind, sowie Konferenzen, Webinare, Inhouse-Seminare, Coachings und Beratung – das haben wir beibehalten.

Neu dazugekommen ist aber z. B. eine Abendgesprächsreihe, bei der ausgewählte Top-Referenten aktuelle Kernthemen wie Content Marketing und Wearable Technologies präsentieren. Dieses Format bieten wir seit 2014 sehr erfolgreich in fünf deutschen Städten an. Der nächste Termin ist z. B. am 15. März in Düsseldorf zum Thema Emotional Branding, und in München sind wir wieder am 3. Mai mit dem Thema Big Data.

Die Medienakademie hat zudem systematisch das Programm für digitale Themen und Corporate Media überarbeitet und ausgebaut. Das spiegelt sich z. B. in neuen Zertifikatskursen, wie dem Metadaten-, dem Usability- oder dem Content-Marketing-Manager wider. Auch im Bereich Strategieentwicklung haben wir uns stärker aufgestellt, neu sind z. B. das Strategie Boot Camp und das Digital Boot Camp.

Wir sind ständig dabei, unser Angebot zu überarbeiten und neue Themen ins Programm aufzunehmen, um den aktuellen Bedürfnissen unserer Teilnehmer gerecht zu werden und ihnen praxisbezogene und tiefgreifende Weiterbildung in unseren Kernthemenbereichen anzubieten. 

Wie werden die angenommen?

Dass wir nun ein Jahresprogramm haben, das alle Themen für alle Zielgruppen enthält, und dazu einen neuen Namen, kommt sehr gut an. Wir werden anders von unseren nichtklassischen Zielgruppen wahrgenommen, da diese mit der Akademie der Deutschen Medien als Absender deutlich mehr anfangen können, als mit der Buchakademie. Wir freuen uns, dass die Umbenennung und Überarbeitung der Programmstruktur also durchaus positive Auswirkungen hat.

Was hätten Sie in der Rückschau lieber anders und besser gemacht? 

Da die Erweiterung unserer Zielgruppen bei den Stamm-Teilnehmern sehr gut angenommen wurde, weil sie einen inspirierenden Austausch mit Experten und Teilnehmern auch aus anderen Branchen ermöglicht, hätte ich rückblickend den Namenswechsel gern früher vollzogen.

 

Bilder: Akademie der Deutschen Medien

01. Februar 2016