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Vertrieb, Redaktion/Lektorat

Mehrheit nutzt breites Spektrum

Social Media werden häufiger als Nachrichtenquelle genutzt

Soziale Medien gewinnen neben ihrer Austauschfunktion zunehmend eine Rolle als Nachrichtenquellen. Die Qualität der Quellen sowie die technisch und durch die Geschäftsmodelle gesteuerten Selektionsmechanismen werden aber kritisch diskutiert. Die tatsächliche Nutzung der Social Media als Nachrichtenquelle untersucht die Reuters Institute Digital News Survey 2016, deren Ergebnisse die Zeitschrift „Media Perspektiven“ referiert. 


Immerhin 31% der befragten Internetnutzer in Deutschland geben soziale Netzwerke als eine ihrer regelmäßigen Nachrichtenquellen an; 2014 waren es nur 23%. Nachrichten-Hauptquelle sind Social Media für 6%, einzige Quelle für 2%. Im internationalen Vergleich fällt die Nutzung zur Information über das aktuelle Weltgeschehen in Deutschland damit vergleichsweise gering aus. In Ländern mit wirtschaftlich oder politisch „geschwächten“ Mediensystemen haben Social Media größere Bedeutung.

 

Einfachheit und Schnelligkeit

Die große Mehrheit der deutschen Internetnutzer nutzt ein breites Nachrichtenmedien-Spektrum mit einem hohen Anteil klassischer Medien. In den sozialen Netzwerken werden dagegen, so die Studie, Nachrichten oftmals nicht zielgerichtet gesucht, vielmehr begegneten sie den Nutzern als Folge algorithmusgetriebener Auswahlprozesse oder durch die Aktivitäten der eigenen Kontakte.

Die wichtigsten Gründe, soziale Medien als Nachrichtenquelle zu verwenden, sind die einfache Art, auf verschiedene Quellen zuzugreifen, die hohe Geschwindigkeit der Nachrichtenverbreitung und die Möglichkeit, Artikel zu teilen und zu kommentieren. In Deutschland teilen knapp 12% der Internetnutzer Nachrichten und 10% kommentieren sie.

Die Nutzer, die soziale Medien als regelmäßige Nachrichtenquelle verwenden, sind sowohl in Deutschland als auch in den anderen Ländern vor allem die jüngeren Nachrichtennutzer. Mit steigendem Alter werden Social Media als Nachrichtenquelle weniger genutzt. Hinsichtlich der Geschlechter spielen soziale Medien bei Frauen eine etwas größere Rolle für die Nachrichtennutzung als bei Männern.

Welche Angebote werden genutzt? Laut der Studie loggen sich in Deutschland gut die Hälfte der erwachsenen Onliner bei Facebook ein. Aber nur rund 27% suchen und diskutieren via Facebook regelmäßig Nachrichten. Das sind deutlich weniger als im internationalen Schnitt (44%). Über den Messagingdienst WhatsApp tauschen sich etwa 10% der deutschen Online-Nutzer regelmäßig über Nachrichten aus, 4% nennen Twitter als eine ihrer Nachrichtenquellen (international: knapp 10%).


Kriterien der Nachrichtenselektion

Im Gegensatz zu journalistischen Kriterien einer Informationsauswahl, die sich auch an der gesellschaftlichen Relevanz eines Thema orientiert, orientiert sich der Nachrichtenfluss in Social Media am Nutzungsverhalten des Users bzw. den Interessen und Aktivitäten des eigenen Kontaktnetzwerks.

Bei der Umfrage unter der internetnutzenden Bevölkerung hat sich im Durchschnitt der untersuchten 26 Länder gezeigt, dass die algorithmenbasierte Nachrichtenauswahl, die auf dem bisherigen eigenen Nutzungsverhalten basiert, die größere Zustimmung im Vergleich zum journalistischen Themenmix findet: 36% befürworten eine solche personalisierte Nachrichtenauswahl, während 30% der Befragten eine journalistische Auswahl für zutreffender halten. In Deutschland ist dieses Verhältnis (35,7 zu 36,3%) mit leichtem Vorteil für die journalistische Auswahl ausgeglichen. 23% sagen, die von ihren Freunden abgerufenen Informationen seien ein guter Weg der  Nachrichtenauswahl.

Quelle: Sascha Hölig und Uwe Hasebrink (Hans-Bredow-Institut für Medienforschung an der Universität Hamburg): Nachrichtennutzung über soziale Medien im internationalen Vergleich. Ergebnisse des Reuters Institute Digital News Survey 2016, in: Media Perspektiven 11/2016, hier geht es zum Volltext

14. Dezember 2016