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Academic Publishing

PolitWiss-Marktführer Transcript Verlag überschreitet den Open Access-Rubikon

Von Michael Lemster

Open Access als Lizenzierungs- und Finanzierungsmodell für wissenschaftliche Veröffentlichungen ist im Bereich der Zeitschriften durchgesetzt. Bei Monographien hinkt OA noch hinterher. Eine Erklärung des Transcript Verlags – eines führenden  geistes- und sozialwissenschaftlichen Verlags – könnte zum Meilenstein für die Open Access-Bewegung in Deutschland werden.

 

Transcript-Programmgeschäftsführerin Karin Werner hat aus Anlass der internationalen Open Access-Woche bekanntgegeben: der Bielefelder Verlag wird 200 bereits erschienene deutsch- und englischsprachige Titel aus den Bereichen Politik- und Sozialwissenschaften OA verfügbar machen. Als Distributor und Enabler benennt sie Knowledge Unlatched (KU).

Die Organisation mit Deutschland-Büro in Berlin hat 2016 ein bisher weltweit einzigartiges Crowdfunding-Modell gestartet. Mit dessen Hilfe können sich wissenschaftliche Bibliotheken die Gebühren für Open Access-Buchpakete teilen. Sie gibt auf ihrer Website ein Bibliotheken-Netzwerk von fast 90 Positionen an. Sie bietet aber, wie im Fall Transcript, ihre Distribution auch ohne das Crowdfunding an.

Bei der Transcript-Initiative geht es aber nicht nur um Backlist-Pakete. Denn der Verlag hat sich zudem entschieden, ab 2018 pro Jahr alle rund 30 Neuerscheinungen im Bereich Politikwissenschaft, in dem er in Deutschland eine führende Marktposition behauptet, über das Crowdfunding von KU für die Leser kostenlos verfügbar zu machen.

 

Gute Erfahrungen mit Open Access

 

„Open Access ist für uns einer der wichtigsten Trends im wissenschaftlichen Publizieren, und nachdem wir bereits früher rund 400 Titel mit sehr guter Resonanz frei verfügbar gemacht haben, ist der Schritt jetzt nur folgerichtig“, begründet Karin Werner ihren Schritt näher. Die Open Services von Knowledge Unlatched sollen dem Verlag helfen, die Nutzung der Inhalte weltweit zu maximieren. Mit der Freigabe setzt der Verlag für seine politikwissenschaftlichen Novitäten ab 2018 auf die Unterstützung von Bibliotheken weltweit.

Während das Modell von KU über Crowdfunding vor allem eine Finanzierungskomponente vorsieht, nutzt Transcript bei der Freischaltung der 200 Backlist-Titel KUs Daten- und Marketingservices. Für Bibliotheken fallen keine Kosten an. Für die jährlich etwa 30 Neuerscheinungen im Bereich Politikwissenschaft wird KU ab Januar 2018 den Teilnehmer-Bibliotheken ein Crowdfunding-Paket anbieten. Damit zieht Knowledge Unlatched an einem kritischen Punkt in der Akzeptanz von OA die Aufmerksamkeit der Wissenschaftsverlage erneut auf sich.

 

Bibliotheken finanzieren Open Access auch bei Monographien

 

„Transcript nimmt damit eine Forderung aus Bibliotheken auf, die wir mit KU Open Services sehr gern unterstützen“, berichtet KU-Geschäftsführer Sven Fund. Der Verlag tue damit einen mutigen, zukunftsweisenden Schritt.

Ähnlich zukunftsorientiert agiert auch der Peter Lang Verlag, einer der großen internationalen Verlage für Hochschulschriften. Er verkaufte der Deutschen Zentralbibliothek für Wirtschaftswissenschaften – Leibniz-Informationszentrum Wirtschaft in Kiel 581 Titel OA – vermutlich einer der bisher größten Deals dieser Art im deutschsprachigen Raum. Damit setzt die ZBW ein Zeichen, dass wissenschaftliche Bibliotheken bereit sind, Open Access-Monographien zu finanzieren.

 

Open Access für Bücher reift

 

Open Access für Bücher, das zeigen die beiden Fälle, gewinnt deutlich an Fahrt, und Monographien-Verlage tun gut daran, den neuen Trend aufzunehmen. Noch immer ist das Buch als Mediengattung die präferierte Publikationsform in den Geistes- und Sozialwissenschaften. Drohte diese bisher bei OA ins Hintertreffen zu geraten, weisen Transcripts Schritt und der Abschluss von Peter Lang mit der ZBW nun Wege, wie aus den bisherigen Experimenten belastbare Geschäftsmodelle werden können.

Dass Bibliotheken dabei eine zentrale Rolle spielen werden, zeichnet sich in den Diksussionen unter Open Access-Fachleuten schon länger ab. Und auch Knowledge Unlatched setzt auf diese Entwicklung: Vor kurzem haben die Berliner angekündigt, ihren weltweiten Vertrieb und die zentrale Abwicklungsplattform für Open Access mit anderen Initiativen wie Luminos oder OpenEdition zu teilen.

 

Porträtfoto Karin Werner: Opens external link in new windowTranscript Verlag.

23. Oktober 2017