Praxisbeitrag

Eine der schönsten Arten, Kunden zu binden

Die sinkende Frequenz erfordert Formate, um Kunden zu binden. Lesekreise können ein solches sein, denn sie sind analog und online gefragt. Vier Buchhändler zeigen, wie sie Lesekreise gestalten und welche Tipps sie haben.

Es ist eine kleine Runde. Sechs Leserinnen und Leser sitzen am Donnerstagabend nach Ladenschluss in der Buchhandlung Backhaus zusammen. Jeder hat das gleiche Buch in der Hand. „Wie war Ihr Eindruck?“, fragt Buchhändlerin Anke Beckmann – das Gespräch ist eröffnet.

Die Gruppe tauscht Eindrücke aus, spricht über den Kontext, äußert Lob und Kritik, diskutiert aktuelle und persönliche Bezüge. Vier sitzen erstmals in dieser Runde, zwei sind über eine Stunde angereist, weil sie genau dieses sperrige Buch besprechen wollten: „Adieu Paris“ von Daniel Anselme. Nach einer Stunde gibt es eine Pause, die Buchhändler haben einen Tisch mit frischem Brot, Frischkäse, Oliven, Trauben und Wein aufgebaut. Dann geht es in die zweite Runde. Am Ende: zufriedene Gesichter und erfüllte Leser. Beim nächsten Mal wollen alle wiederkommen, sagen sie.

Buchgespräch im Trend: Lesekreise machen Buchhandlungen zu einem „dritten Ort“. Die Buchhandlung Funk in Bergisch Gladbach hat vor rund drei Jahren einen Kreis eingerichtet. (Foto: Funk)

Was macht den Reiz von Lesekreisen aus? Zum einen ist es die persönliche Bereicherung: Auch Vielleser werden jedes Mal mit neuen Sichtweisen auf ein Buch überrascht, sagt Backhaus-Inhaber Martin Schwoll. Die Runde ist für viele aber auch ein Forum, sich zu begegnen, sich auszutauschen und Gemeinschaft zu erleben.

 

Neutraler Boden für Buchgespräche

Stillleben mit Buch und Brot (Foto: Backhaus)

In Aachen ist Backhaus die einzige Buchhandlung, die Lesekreise anbietet. Die Gründung hatte eine Kundin vor 7 Jahren angeregt, die bei privaten Lesekreisen nicht fündig geworden war. Denn die meist geschlossenen Gruppen pflegen enge persönliche Kontakte und fordern von Teilnehmern entsprechende Verbindlichkeiten. Das wiederum ist für Martin Schwoll ein zentrales Argument, Lesekreise in Buchhandlungen einzurichten: Ein offener Lesekreis, bei dem jeder jederzeit ein- und aussteigen kann, biete eine „gute Alternative für Interessierte, denen es vor allem ums Buch geht“.

Schwoll, der seine Buchhandlung auch als „politische Institution“ versteht, dis­ku­tiert mit den Lesekreisen in seinen beiden Aachener Filialen gern Titel zu Themen, die politisch, literarisch oder gesellschaftlich aktuell sind: „Meine Idee des Lesekreises ist auch immer Veränderung des Bewusstseins. Nicht mit der Brechstange natürlich. Aber ich freue mich, wenn wir im Ergebnis sehen, dass die teilnehmenden Gäste ent­weder bezogen auf ein Buch ihre Meinung verändert haben oder über einen längeren Zeitraum spürbar nachdenklicher und (selbst-)kritischer werden.“

 

Flexibles Angebot

Bei den Teilnehmern halten sich Dauergäste und neue Gesichter meist die Waage:

  • 8 bis 10 Personen sind im Schnitt dabei, mal sind es mehr, mal weniger.
  • Der bestbesuchte Lesekreis fand mit 16 Teilnehmern statt, wohl auch, weil der Autor kurz darauf zu einer Lesung in der Buchhandlung geladen war.
  • Ab 15 Personen wird die Gesprächsführung allerdings „fragiler“, sagt Schwoll.
Unter freiem Himmel: Lesekreise in Buchhandlungen sind für alle Interessierten offen. An schönen Tagen finden die Backhaus-Lesekreise auch mal auf dem Platz vor der Buchhandlung statt. (Foto: Backhaus)

Auch wenn der Buchhandelslesekreis offen angelegt ist, kennen sich bereits einige der Teilnehmer, neue würden aber stets „liebevoll“ aufgenommen. Es überwiegt die Generation 50+, ab und an sind aber auch jüngere Teilnehmer dabei.

Die weiteren Eckdaten der Lesekreise in den beiden Backhaus-Filialen:

  • Pro Jahr finden an beiden Standorten 7 Lesekreis-Veranstaltungen statt.
  • Jeweils am Dienstag bzw. Donnerstag einer Woche wird derselbe Titel besprochen.
  • Die Teilnahme kostet 10 Euro pro Abend. Alternativ kann auch eine Lesekreis-Flatrate für 49 Euro im Jahr erworben werden.
  • Jeweils ein Mitarbeiter der Buchhandlung leitet den Lesekreis, Inhaber Schwoll ist zur Unterstützung mit dabei.
  • Zur Verpflegung reicht die Buchhandlung Snacks und Getränke, dafür nutzt sie klappbare Bistrotische.

Die Titel für den jeweils nächsten Lesekreis werden von Mal zu Mal festgelegt, auch Kunden können ihre Wünsche äußern. Schwoll will in Zukunft aber längerfristiger planen, um die Titel mit gutem Vorlauf in der Buchhandlung zu platzieren.

Praxis: Wie gestalte ich einen Lesekreis?

Wer einen Lesekreis starten will, hat viele Gestaltungsmöglichkeiten. Einige Tipps und Tricks, die sich bewährt haben:

  • Zu Beginn ist es sinnvoll, ein thematisches Konzept für den Lesekreis zu entwerfen, um den Kunden Orientierung zu bieten und zugleich bestimmte Interessengruppen anzusprechen. Beispiele: eigene Buchempfehlungen, aktuelle europäische Literatur, Titel mit politisch-gesellschaftlicher Relevanz, Klassiker der Literaturgeschichte, Gesamtwerk eines Autors.
  • Zur Vorbereitung das Buch ein- bis zweimal lesen und Hintergründe zum Autor und Kontext sowie nach aktuellen Bezügen recherchieren. Nützlich sind ggf. auch ergänzende Hinweise zu Verfilmungen oder Videos. Insgesamt sollte man aber nicht zu viel Arbeit in die Vorbereitung stecken: Die Teilnehmer wollen vor allem miteinander ins Gespräch kommen und erwarten keine zu detaillierten Hintergründe.
  • Je nach Kapazität kann man einen Lesekreis auch gut zu zweit leiten.
  • Das Gespräch facettenreich beginnen und den Einstieg immer wieder variieren – das hält den Lesekreis langfristig spannend. Beispiele für den Einstieg: nach der aktuellen Lektüre der Teilnehmer fragen, eine kurze Einführung zu Buch oder/und Autor, eine prägnante Szene oder einen zentralen Satz vorlesen, Einstiegsrunde, in der jeder Teilnehmer seinen Eindruck vom Buch schildert.
  • Im Verlauf das Gespräch nicht direktiv führen, sondern vor allem zuhören und nur bei Bedarf eingreifen, wenn das Thema zu weit vom Buch abschweift.
  • Bewährt hat sich in den meisten Buchhandlungen ein preiswertes Buffet, bei dem z.B. Wasser, Kaffee oder Wein plus ein kleiner Imbiss mit Oliven, Knabbereien oder Brot mit Frischkäse angeboten werden.
  • Die Titel für den Lesekreis sollte man nicht zu kurzfristig planen, aber auch genug Spielraum lassen, um relevante Themen zeitnah diskutieren zu können. Egal, ob man den Titel für den nächsten Lesekreis selbst bestimmt oder die Teilnehmer mit entscheiden lässt: Das Buch sollte rechtzeitig zur Hand sein und im Handel präsentiert werden.
  • Verlage wie z.B. dtv oder Hanser unterstützen Lesekreise mit Informationsmaterialien zu Büchern und Autoren sowie mit Anregungen zur Diskussion. Besonders bei Kinder- und Jugendlesekreisen stellen viele Verlage zudem Lesepakete und andere Materialien zur Verfügung.
  • Weitere Inspirationen finden sich natürlich auch bei anderen Kollegen und auf Lesekreisforen wie Mein-literaturkreis.de.

 

Lesekreise werden populärer

Gemeinschaftserlebnis und Austausch scheinen gerade im Zeitalter der Online-Kommunikation zunehmend gefragt. In den vergangenen Jahren haben Lesekreise eine regelrechte Renaissance erlebt.

Einen guten Überblick darüber hat Kerstin Hämke. Fast 20 Jahre lang war sie in Führungspositionen in der Konsumgüterindustrie und der Telekommunikationsbranche tätig, 2001 hat sie das Online-Portal Mein-literaturkreis.de gegründet, die mittlerweile größte Ratgeberplattform für Lese- und Literaturkreise. Das Portal gibt Buchtipps, informiert über literarische Themen und gibt Hilfestellungen zur Gründung und Organisation von Lesekreisen.

Das Bedürfnis nach Austausch über die individuelle Lektüre steigt, beobachtet Kerstin Hämke. Neben privaten Gruppen gründen sich derzeit in Literaturhäusern, Universitäten und in Schulen viele Kreise neu. Auch im Internet wächst das Interesse an Lesekreisen. Hämkes Portal hat daher vor neun Monaten einen eigenen Leseclub auf Facebook gelauncht, über 500 Mitgliedern haben sich seither registriert.

Die meisten Lesekreise treffen sich aber nach wie vor persönlich; rund zwei Drittel von ihnen im privaten Wohnzimmer, ein Drittel im öffentlichen Rahmen (s. Info-Kasten). Der Grund dafür ist naheliegend, sagt Hämke: „Weil man bei einer guten, engagierten Diskussion auch oft eigene Lebenserfahrungen und Erlebnisse preisgibt. Und solch ein offenes Gespräch führt man am liebsten mit Menschen, die man persönlich kennt.“

Lesekreise in Zahlen

  • Rund 2/3 der Lesekreise treffen sich im privaten Wohnzimmer, 1/3 sind öffentliche Lesekreise.
  • Im Schnitt hat ein Lesekreis 10 Mitglieder.
  • In den USA gibt es rund 500.000 Book Clubs, in Großbritannien rund 50.000 Reading Groups.
  • In Deutschland, Österreich und der Schweiz sind es geschätzt ca. 70.000 Gruppen mit insgesamt 700.000 Mit­gliedern.

Quelle: Kerstin Hämke, Mein-literaturkreis.de

Die Zahl von Lesekreisen in Buchhandlungen ist ihrer Einschätzung nach allerdings nicht sehr groß. Dabei seien Lesekreise gerade für Buchhändler eine „ideale Möglichkeit, eine besonders interessante Zielgruppe anzusprechen“, denn:

  • Lesekreismitglieder sind Vielleser und Vielkäufer.
  • Über ein Lesekreismitglied erreicht man im Schnitt 10 Personen.
  • Lesekreismitglieder sind Meinungsführer in ihrem privaten Umfeld und werden von diesem oft nach Buchtipps und Empfehlungen gefragt.

 

Klare Konzepte locken Leser an

Richtig überzeugt waren Pia Patt und Birgit Jongebloed anfangs nicht. Sie haben den Lesekreis in ihrer Buchhandlung Funk in Bergisch Gladbach „erst“ vor 3 Jahren eingerichtet – auf der Suche nach „einer kostenneutralen Veranstaltungsform“ zur Kundenbindung. Die Skepsis ist mittlerweile verschwunden, sagt Birgit Jongebloed: „Inzwischen macht es uns großen Spaß“ und beschert Zusatzumsätze. Für den Lesekreis wählen die beiden Sortimenterinnen Titel, die sie in ihrer Buchhandlung auch selber empfehlen.

Auch Nicole Christiansen ist überzeugt, dass Lesekreise in Buchhandlungen für Interessierte eine gute Alternative zu privaten Lesesalons darstellen und sich auch für den Handel lohnen: „Das Bedürfnis, sich zu treffen und sich über Bücher auszutauschen, wächst. Hier kann die Buchhandlung eine Lücke füllen und das Konzept zudem spannender machen: In den Lesekreisen werden Kontakte geknüpft und gemeinsame Interessen entdeckt, Menschen kommen miteinander ins Gespräch, die sich sonst nicht kennen.“ Das wiederum passe genau zum Konzept ihrer Buchhandlung Christiansen im Hamburger Stadtteil Ottensen: „Unsere Buchhandlung soll ein Ort sein, an dem man sich wohlfühlt, an dem man sich mit Gleichgesinnten treffen und austauschen kann.“

Lesekreis in der Buchhandlung Christiansen in Hamburg Ottensen (Foto: Buchhandlung Christiansen)

Gemeinsam mit ihren Mitarbeitern veranstaltet Christiansen gleich sechs Literaturkreise für Leser aller Altersstufen und Interessen (s. Praxis-Kasten). Die Kreise sind im Programm ihrer Buchhandlung inzwischen fest etabliert. Für ihr Engagement hat die Buchhandlung – wie auch die Aachener Buchhandlung Backhaus – bereits mehrfach den Deutschen Buchhandlungspreis erhalten.

Praxis: Punkten mit Lesekreisen für Zielgruppen

Die Buchhandlung Christiansen in Hamburg bietet sechs Literaturkreise mit unterschiedlichem Schwerpunkt an – und erreicht damit verschiedene Zielgruppen. Die Konzepte im Überblick:

Literaturkreise für Kinder und Jugendliche

Die Teilnahme an den Lesekreisen steht allen offen, die Kinder können jederzeit ein- und wieder aussteigen. Die Kinder lesen, was ihnen Spaß macht, und erzählen in der Runde von den gelesenen Büchern. Die Kreise finden in der Regel einmal pro Monat im Personalraum der Buchhandlung statt, die Teilnahme ist kostenlos. Die „Reading-Teens“-Gruppen sind gestaffelt nach Altersgruppen, fließende Übergänge sind aber möglich:

  • „Reading Teens“ für Kinder ab 8: Jeden ersten Montag im Monat treffen sich die jüngsten Leser mit Buchhändlerin Susanne Sießegger.
  • „Reading Teens“ ab 13 Jahre: Bereits zum zweiten Mal ist der Lesekreis für Jugendliche, den Nicole Christiansen leitet, in der Jugendjury für den Deutschen Jugendbuchpreis. Das bedeutet viel Arbeit: Alle Neuerscheinungen des Jahres müssen gesichtet, gelesen und bewertet, die Fristen des Arbeitskreises für Jugendliteratur (AKJ) eingehalten werden. Die Jugendlichen sind mit großer Motivation und Engagement dabei. Der Lesekreis, durch den sie Interessen, Skills und Stärken entdecken, fördert auch ihre persönlichen Kompetenzen.
  • „Reading Teens“ für Jungs ab 10: Jungs interessieren sich für andere Themen und sind auch gern mal unter sich. Gerade sie werden als Leser immer seltener und ihre Förderung umso wichtiger, sagt Christiansen. Buchhändler Andreas Mahr bietet daher einmal monatlich einen Lesekreis eigens für Jungs an.

 

Literaturkreise für Erwachsene

Die Erwachsenen-Literaturkreise sind ebenfalls offen für alle Interessierten und finden jeweils einmal monatlich von 20 bis 21.30 Uhr statt. Die Teilnahme kostet 4 Euro.

  • Werke eines Autors/einer Autorin: Jeden ersten Dienstag trifft sich der offene Literaturkreis mit Buchhändler Michael Keune. Hier werden jeweils mehrere Bücher eines Autors oder einer Autorin hintereinander gelesen.
  • Junge europäische Literatur: Jeden dritten Mittwoch sprechen die Buchhändlerinnen Lisa Kurth und Dilek Arslanlar im Wechsel mit den Lesekreis-Teilnehmern über neue Bücher von europäischen Autoren.
  • Mythen: Im Lesekreis von Carola Siepmann stehen jeden vierten Donnerstag kulturgeschichtlich zentrale Werke und Mythen wie die Odyssee, das Gilgamesch-Epos oder Shakespears Dramen im Fokus. Die einzelnen Titel erarbeiten sich die Teilnehmer in gemeinsamen Gesprächen z.T. auch über einen längeren Zeitraum bis zu einem Jahr.

 

Die Reichweite erhöhen

Mit ihren Lesekreisen für Kinder und Jugendliche verbindet Christiansen Leseförderung und Kundenbindung. Für ihre „Reading Teens“, die mittlerweile zum zweiten Mal in der Jury des Deutschen Jugendliteraturpreises sitzen, bekommt sie viel positives Feedback von Familien und Lehrern. Davon profitiert auch die Buchhandlung:

  • Mit Kindern und Teenagern wird eine Zielgruppe erreicht, die als Leser an digitale Medien verlorenzugehen droht.
  • Das Format fördert Jugendliche in ihrer persönlichen Entwicklung, eine ganze Reihe von Teilnehmern der ersten Generation ist bis heute noch eng mit der Buchhandlung verbunden.
  • Viele Verlage unterstützen Kinder- und Jugendlesekreise z.B. mit kostenfreien Lese­exemplaren und Materialien.

Zeitweise kooperiert Christiansen auch mit einem Altonaer Gymnasium und erreicht mit dem Lesekreisangebot so noch mehr Kinder und Jugendliche.

Mit der „Reading-Teens“-Gruppe startete 2005 das Christiansen-Lesekreis-Programm, 2012 kamen auf Initiative ihrer Mitarbeiter drei Erwachsenen-Lesekreise hinzu. Um verschiedene Interessen zu bedienen, bieten die Kreise spezielle Themen und ziehen dadurch Interessenten aus ganz Hamburg an. Die Eckdaten:

  • Die Lesekreise finden nach Ladenschluss in der Buchhandlung statt, dafür wird ein Präsentationstisch geräumt.
  • Wein, Wasser und Knabberzeug zur Erfrischung stehen bereit.
  • Die Teilnahme ist offen: Jeder kann jederzeit dazukommen. In der Regel ist die Hälfte der Gruppe Stammpublikum, die andere Hälfte wechselt je nach Buch.
  • Die Teilnehmer stimmen über die Titelvorschläge für den nächsten Kreis ab.
  • Der Eintritt kostet 4 Euro.

Der Aufwand sei überschaubar, sagt Christiansen. Die Moderatorin begrüßt die Teilnehmer, die sich kurz vorstellen, und eröffnet die Diskussion mit einer provokanten Einstiegsfrage – dann läuft alles wie von selbst: „Es ist erstaunlich, was an so einem Abend an Gedanken durch den Raum fliegt.“

Für Christiansen sind Lesekreise „eine der schönsten Formen der Kundenbindung“, die gerade Buchhandlungen sehr gut für sich nutzen können. Sie wundert sich, dass „erstaunlich wenige“ das für sich umsetzen. Dabei sei ein Kreis „so einfach zu gestalten. Man kann es im Dorf, in der Stadt, überall machen.“ Es sei eine ganz tolle Möglichkeit, sich zu treffen und Bücher ins Gespräch zu bringen – und damit die Reichweite der Buchhandlung zu erhöhen.

 

Bewährtes Offline-Angebot

Damals wie heute: Seit rund 35 Jahren betreut Katharina Engelhardt im Bückereck am Rathaus in Vellmar ihren Gesprächskreis, fünf Teilnehmer sind bis heute mit dabei. Engelhardt: „Miteinander über Bücher sprechen  das ist für uns Buchhändler die wichtigste Triebfeder unseres Berufes. Im Vellmarer Büchereck kann man live und in Farbe dabei sein.“

Katharina Engelhardt hat vor rund 35 Jahren einen der wohl am längsten bestehenden Buchhandlungslesekreise eingerichtet. Sie ist Lesekreislerin aus Leidenschaft. Für Engelhardt sind Gesprächskreise „eine perfekte Maßnahme, um Lesen ins Gespräch zu bringen. Offline!“ Seit der Gründung hat sie im Büchereck in Vellmar mittlerweile über 400 Romane diskutiert und darüber einen intensiven Kontakt zu einer Reihe von Kunden aufgebaut. Tatsächlich sind fünf Teilnehmer seit Anfang an mit dabei. Hin und wieder diskutieren auch Autoren in der Runde mit. Verlagsvertreter haben gleich passende Titelvorschläge im Gepäck, wenn sie ins Büchereck kommen.

Lesekreisbücher, darunter auch Backlist­titel, verkaufen sich sehr gut. Buchhändlerin Katharina Engelhardt nutzt das, um die für die Diskussion ausgewählten Bücher in Szene zu setzen.

Die weiteren Pluspunkte:

  • Lesekreise binden Kunden an die Buchhandlung, sie identifizieren sich mit ihr.
  • Mehr Menschen werden erreicht, dadurch verbessert sich das Image für die Buchhandlungen.
  • Lesekreisler zeigen meist große Bereitschaft, auch bei anderen Veranstaltungen der Buchhandlung teilzunehmen.

Praxis: Lesekreistitel im Handel präsentieren

Bücher, die Buchhandlungen in ihren Lesekreisen besprechen, verkaufen sich überdurchschnittlich gut. Im Schnitt gehen gut drei Viertel der bestellten Titel an Personen, die am Lesekreis gar nicht teilnehmen. Es lohnt sich also, auf die Titel aufmerksam zu machen.

Das sind die Tipps von Katharina Engelhardt (Büchereck Vellmar):

  • Im Laden präsentiert sie den Lesekreistitel mit einem Einstecker.
  • Vor dem Laden steht eine Tafel mit dem Buchtitel und Datum des Lesekreises; auch im Schaufenster wird auf das Buch hingewiesen.
  • Die Lesekreistitel werden umgehend auf der Website vorgestellt.
  • Die Buchhandlung druckt besondere Lesezeichen, die in jedes Exemplar des Lesekreistitels hineingesteckt werden.

 

Die Alternative: Service für Lesekreise

Wer es personell oder zeitlich nicht schafft, einen Lesekreis selbst zu organisieren und zu moderieren, hat die Möglichkeit, mit anderen Angeboten an sie heranzutreten:

  • Mit Lesekreisen netzwerken: Gibt es vor Ort bereits bestehende private Lesekreise? Es kann sich lohnen, Kontakte zu diesen aufzubauen, z.B. über ein regelmäßiges Forum für Lesekreise, bei dem die Buchhändler Bücher präsentieren und Lese­kreise zum gegenseitigen Austausch und Networking anregen.
  • Informationen bereitstellen: Die Buchhandlungskette Osiander hat auf ihrer Homepage eine Seite mit Empfehlungen für Lesekreise eingerichtet. Neben Kurzinformationen über Bücher und Autoren fließen dort auch individuelle Buchtipps der Buchhändler ein. Die Titel können bewertet werden; zudem kann man prüfen, in welcher Filiale der gewünschte Titel vorrätig ist, oder ihn direkt online bestellen. Darüber hinaus weist das Portal auf Lesungen der Autoren in den Filialen hin.
  • Raum für private Lesekreise schaffen: Gibt es Kunden oder Bekannte, die gern einen Lesekreis einrichten und leiten würden? Im Gegenzug kann die Buchhandlung den Raum zur Verfügung stellen und den Kreis mit Werbung, Organisation und Aufbau unterstützen. Interessierte kann man beispielsweise über einen Aushang in der Buchhandlung oder Hinweise auf der Webseite oder im Newsletter finden.

 

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Eva Killy  killy@buchreport.de